Der Fromm

Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das ist nicht bloß eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, zeigt, dass bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, dass sie nicht in Konflikt kommen können mit den Mustern der gestörten Kultur, sondern dass sie in dieser Kultur Krankheitssymptome erzeugen.

Das Symptom ist ja wie der Schmerz nur ein Anzeigen, dass etwas nicht stimmt. Glücklich der, der ein Symptom hat. Wenn der Mensch keine Schmerzen empfände, wäre er in einer sehr gefährlichen Lage. Aber sehr viele Menschen − die Normalen − sind so angepasst, die haben so sehr alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, sind so zum Instrument, sind so roboterhaft geworden, dass sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.

Ihr wirkliches Gefühl, ihre Liebe, ihr Hass, die sind schon so verdrängt oder sogar so verkümmert, dass diese Menschen das Bild einer chronischen leichten Schizophrenie liefern.

Der Fromm

Ausgenormt

Illusion, Realität, Wahrheit, Fälschung. Sind das nicht alles Synonyme, die ein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel spielen?

Das Leben kennt keine Grenzen, Einordnungen, Namen, Bewertungen. Wir sind es, die das alles definieren. Um Sicherheit zu bekommen, Stetigkeit, Routine, Halt. Denn sonst wäre die Welt ein Sammelsurium armer Irrer, Träumer und Querschläger.

Wie schön das wäre.

Ausgenormt

Back to life, back to reality

Ich will zurück ins Leben habe ich meinem Tagebuch vor Kurzem anvertraut. Aber was heißt das? Was heißt das vor allem für mich?

Will ich wieder zurück an einen Ort, an dem viele Menschen sind? Vielleicht in eine größere Stadt? Man kann ausgehen, ins Kino, Theater, in eine Bar. An jeder Ecke wartet ein Konzert, ein Event, eine Begegnung. Ich wäre nie allein.

Sollte ich mir nicht ein neues Hobby suchen? Eine neue Beschäftigung. Irgendwo, wo ich neue Bekanntschaften mache. Wo ich andere Sichtweisen kennenlerne, neue Gespräche führen kann. Man würde mich mögen, wir hätten Spaß.

Will ich wieder reisen? Jeden Tag neue Eindrücke. Immer auf dem Weg, ohne viel Rast. Neue Sprachen, Länder, Menschen. Grenzen überschreiten. Ich würde viel dazulernen. Ich wäre frei.

Sollte ich mich vielleicht weiterbilden, mehr lesen, mehr Wissen anhäufen oder gar einen neuen Beruf erlernen? Jeden Morgen voller Tatendrang und Frohsinn ans Werk gehen und Geld für etwas bekommen, das man wirklich gerne macht. Würde mich das nicht erfüllen?

Oder ich verbringe einfach mehr Zeit mit meinen Liebsten. Einfach immer dort sein, wo die Menschen sind, die mich schon lieben, auf die ich bauen kann, die zu mir halten bei Wind und Sturm. Würde mir das nicht viel Sicherheit geben, mich stark machen?

Vielleicht ist es ein bisschen von alledem. Aber eigentlich wäre das nur wieder ein Abklatsch dessen, worum es mir eigentlich geht. Ich möchte einfach wieder sein. Ich sein. Mehr nicht. Mir das erlauben und es durchziehen. Ohne Verpflichtung. Ohne Grenzen. Ohne Angst vor Verurteilung, vor Abgrenzung und vor dem Alleinsein.

Back to life, back to reality

Ein Zitat

Wollen wir den kleinen Torben gebären oder langt ein Hund? Sollen wir Nazis wählen und wie wirkt sich das auf den Volkskörper aus? Soll ich den Nagel mal in die Steckdose stecken?

Entscheidungen sind die Illusion, Macht zu haben. Bitte nur ein klein wenig Macht. Der Mensch denkt und schreibt Zettel, er wälzt sich und weint, er wägt ab und alles entlädt sich – in einer Sekunde.

In der wir das falsche Urteil in einem albernen Leben fällen. Aus dem All betrachtet kann ein ameisengroßer Mensch alle Entscheidungen sein lassen, er kann liegen bleiben, der Mensch, mit dem falschen Partner im falschen Land, er kann ins Auto steigen und losfahren oder in der Kneipe bleiben. Die Zeit nach jeder Entscheidung ist minimal im Vergleich zur Unendlichkeit, in der wir alle enden. Ob wir uns dafür oder dagegen entscheiden.

Ein Zitat

Küchenzauber

Es ist als ob du jeden Tag in die Küche gehst, schaust was Kühlschrank und Vorratskammer hergeben und dann ehrlich versuchst, das beste Essen zu kreieren, das du mit diesen Zutaten, deinen eigenen Kochkünsten und einer Prise Gewürzen zustande bringst.

Und zum Schluss, wenn du dein Werk mit höchstmöglichem Einsatz und voller Stolz beendet hast, genießt du jeden einzelnen Löffel ganz bewusst, voller Stolz und Dankbarkeit.

So in etwa finde ich ist das Leben.

Küchenzauber

Maximilian

Und Menschen rennen auf die Arbeit
Und rennen auf die letzte Bahn
Und in ihnen wächst die
bittere Wahrheit
Wir alle rennen und
kommen nicht an
Wir rennen durch den Tag
Rennen im Job
Rennen an die Wand
Denn wir rennen ohne Kopf
Rennen im Kreis
Rennen ohne Sinn
Wir rennen und rennen
und rennen
Nur wo rennen wir hin?
Und Menschen rennen
an Dir vorüber
Rennen ohne aufzusehen
Und auch Du siehst nur die Füße
Derer, die an dir vorübergehen
Tausend Stimmen durcheinander
Tausend Hände bauen am Turm
Keiner hört hier auf den Anderen
Das ist die Ruhe vor dem Sturm

Maximilian

Demut

Wer bin ich, dass ich mir anmaße zu wissen, wie andere Menschen wirklich sind, was ihr Innerstes ausmacht? Kenne ich doch selbst nur einen Bruchteile meiner selbst.

Wie kann ich mir anmaßen andere Menschen zu be- und verurteilen für das was sie tun oder getan haben? Habe ich nicht selbst oft falsch gehandelt oder Worte gesagt, die ich mir bis heute nicht verzeihen konnte?

Wie kann ich mir anmaßen meinen eigenen schlechten Gedanken, Erfahrungen und Gefühle an Anderen auszulassen? Haben sie nicht ihren eigenen Rucksack zu tragen, den ihnen Keiner abnehmen kann?

Wie kann ich mir anmaßen zu denken und zu behaupten, dass meine Gedanken, meine Werte und mein Handeln richtiger sind als das eines Anderen? Ist nicht auch meine Meinung oft nur eine Ergebnis aus Erziehung, Medien und dem Leben, das mich derzeit umgibt?

Wie kann ich mir anmaßen etwas von einem Menschen zu verlangen oder zu erwarten? Sollte ich nicht zunächst meine eigenen Erwartungen stillen, meine eigenen Konflikte lösen?

Wie kann ich erwarten, mit all meinen Fehlern und Makeln geliebt zu werden? Sollte ich das alles dafür nicht zunächst selbst akzeptieren, mich offen damit zeigen und mich selbst lieben?

Wie kann ich denken, dass ich der Mittelpunkt der Erde bin? Denke ich wirklich, dass ich etwas Besseres, Intelligenteres oder Größeres bin, als alle anderen Wesen auf diesem Planeten?

 

 

Demut